Planung und Bau Gütermotorschiff OHF 400

Schwimmende Meisterwerke aus Stahl

Nach monatelangem Planen, Brennen und Schweißen wird das 1.188. Schiff, das in der Erlenbacher Schiffswerft gebaut wurde, die Werft Anfang 2026 verlassen. Bis zur Jungfernfahrt erledigten die Mitarbeitenden der Schiffswerft in Erlenbach am Main zahlreiche Arbeitsschritte. Mit einem Betriebsgelände von 50.000 Quadratmetern besitzt das Felbermayr-Tochterunternehmen eine der größten Binnenwerften Deutschlands.
 

Im Juni 2024 erhielt die Schiffswerft eine Anfrage für den Bau eines Gütermotorschiffes, das im Wasserbau eingesetzt werden soll. Das Binnenschiff wurde zur Gänze in der Werft geplant und gebaut. Bei einer Länge von 50 Metern, einer Breite von 9,50 Metern und einer Seitenhöhe von 2,20 Metern hat es 800 Tonnen maximale Verdrängung und einen gemittelten Leertiefgang von 86 Zentimetern. Die Fixpunkthöhe beträgt fünf Meter.

Das Motorschiff besitzt einen Antrieb aus zwei Maschinen mit jeweils 478 Kilowatt und 1.900 Umdrehungen, einen Generator mit 48 Kilowatt sowie einen Bugstrahler mit 294 Kilowatt.

Sorgfältige Planung
Bevor mit dem Bau eines Schiffes begonnen werden kann, bedarf es einer sorgfältigen Planung. „Nach den Vorgaben des Kunden wird ein Vorentwurf erstellt, auf dessen Basis der Preis kalkuliert wird. Sofern der Kunde den Auftrag erteilt, wird die erste Grobrechnung gemacht. Diese zeigt, ob das Schiff mit den Kundenvorgaben auch die Tragfähigkeit erfüllen kann. Meist bedarf es mehrerer Konstruktionen“, weiß Harald Hillmann, Schiffbauingenieur bei der Erlenbacher Schiffswerft, und erklärt: „Erst, wenn eine passende Konstruktionsbasis gefunden wurde, geht es in die feinere Konstruktion. Die endgültigen Stahlpläne sollten im Idealfall drei bis vier Monate nach Auftragserstellung stehen.“

Mit Blockbauweise zum Ziel
Für den Bau und Ausbau eines Schiffes sind in Erlenbach Außenflächen sowie drei Hallen – Schlosserhalle, Schiffbauhalle und Schweißhalle – vorhanden. Die Schiffe werden in der Werft aus vorgefertigten Sektionen zusammengefügt, ein Prozess, der als Blockbauweise bekannt ist. Vorwiegend kommt dabei normaler Baustahl zum Einsatz, bei den Auspuffkomponenten vereinzelt auch Edelstahl.

Brennen, Schweißen und Heften
Als erster Schritt im Schiffbau erfolgt das Abwickeln der Außenhautflächen aus Stahl. Anschließend wird der erste von vielen tausend Brennschnitten durchgeführt. Wenn ausreichend Tonnagen geschnitten wurden, erfolgt der Baubeginn – meist etwa einen Monat nach dem Brennstart. Die Montage der Stahlflächen beginnt üblicherweise mit den Wallgängen, dann folgen die Doppelböden. „Diese konstruktiven Elemente dienen primär der Stabilität und Sicherheit“, erklärt Hillmann: „Sie werden als Sektion gefertigt, ähnlich wie Legobausteine, um sie später außerhalb der Halle zusammenzuschweißen. Diese Sektionen sind Volumenteile mit einem Stückgewicht von bis zu 30 Tonnen.“ Um diese Komponenten bewegen zu können, stehen in der Erlenbacher Schiffswerft insgesamt drei Krane – mit jeweils 30 Tonnen Traglast im Portal – zur Verfügung.

Schiffbau auf der Helling
Zusammengebaut werden die Schiffe außerhalb der Halle auf der sogenannten Helling. Die Werft am Erlenbacher Mainufer ist die einzige Werft zwischen Duisburg und Linz mit einer 135 Meter langen Helling. Dabei handelt es sich um eine Uferfläche mit schräg verlaufendem Gleis, auf dem Schiffe an Land gebaut, umgebaut, repariert und gewartet werden können. Die Werft verfügt über zwei Hellingsanlagen. So können Schiffe mit einer Länge von bis zu 135 Metern an Land genommen werden. Für die verbreiteten Abmessungen von 110 und 86 Metern stehen insgesamt vier Hellingsplätze zur Verfügung.

Streng überprüfte Qualität
„Vor dem Zuwasserlassen durchläuft jedes Schiff strenge Qualitätsüberprüfungen. Seetüchtigkeit, Schwimmlage, Leistungsfähigkeit und Sicherheit müssen gewährleistet werden“, betont Hillmann. Sobald das Schiff für das Wasser bereit ist, ist ein Umstapeln auf Hellingswägen nötig. „Wir heben das gesamte Schiff mit vielen Hydraulikpumpen an und setzen es auf Eisenbahnwägen, sogenannte Hellingswägen“, berichtet der Schiffbauingenieur und ergänzt: „Auf Gleisen, die bis zu 40 Meter lang unterhalb des Wasserspiegels verlaufen, fährt das Schiff um Main. Wenn wir einen Neubau abhellingen, ist es zu 95 Prozent fertig. Nach den Inbetriebnahmen und einer ersten Standprobe am Ausrüstungskai kann schließlich die Probefahrt erfolgen.“ Die Anspannung vor diesem entscheidenden Moment eines Schiffbaus ist groß. „Man ist sehr nervös, wenn die erste Fahrt auf dem Wasser erfolgt, weil vieles schiefgehen kann. Wenn alles klappt, ist man ziemlich erleichtert“, erzählt Hillmann.

Ruhige Hand gefragt
Etwa 30 Mitarbeiter sind an einem Schiffbau beteiligt. An der Fertigung des Schiffes arbeiten Schiffbauer, Schweißer, Feinwerkmechaniker, Rohrschlosser, Maler und Elektriker. „Dabei sind eine ruhige Hand beim Brennen, Schweißen und Heften, gutes räumliches Denken sowie eine gewisse körperliche Leistungsfähigkeit erforderlich. Platzangst sollte man keine haben, die Öffnungen des Schiffes sind teilweise sehr eng“, weiß der Schiffbauingenieur.

Herausforderungen beim Schiffbau
Zu den Herausforderungen zählt Hillmann: „Die Maßhaltigkeit, die Akzeptanz des Kunden, das Wetter, die Koordination der Gewerke sowie das Einhalten der Lieferzeiten.“ Derzeit erhält „OHF 400“, so der Name des Schiffs, den letzten Feinschliff und wird künftig auf dem Rhein gemeinsam mit Baggerponton „OHF 380“ arbeiten. „OHF 380“ wurde bereits 2023 auf dem Werftgelände in Erlenbach gebaut. Aktuell werden in den Nachbarhallen bereits Teile für den nächsten Neubau gefertigt. Der Deckprahm mit der Baunummer 1.189 soll im Jahr 2026 fertiggestellt werden.